Der Vintage Uhrenmarkt konnte seinen Stellenwert weiter festigen. Der Sekundärmarkt für Luxusuhren hat sich in den vergangenen Jahren von einer Nische zu einer der einflussreichsten Säulen der gesamten Uhrenindustrie entwickelt. Vor allem die transparente Preisbildung macht die tatsächliche Nachfrage sichtbar und liefert zugleich wertvolle Hinweise auf die Begehrtheit einzelner Modelle. Wie sich der Markt im Vergleich zum Vorjahr entwickelt hat und welche Trends dabei besonders auffallen, zeigen wir in diesem Artikel.
Gesamtmarkt: mehr Umsatz, aber kaum Preisboom
Der globale Sekundärmarkt erreichte 2025 ein Transaktionsvolumen von 16,73 Milliarden US-Dollar und legte damit gegenüber dem Vorjahr um 36,4 Prozent zu. Die Median-Verkaufspreise stiegen hingegen lediglich um rund 2 Prozent. Das Wachstum basiert somit vor allem auf einer höheren Zahl an Transaktionen und einer größeren Liquidität, nicht auf stark steigenden Preisen.
Getrieben wird diese Entwicklung insbesondere von professionellen Händlern, während das Auktionsgeschäft nur moderat wächst. Extreme Wertsteigerungen und neue Auktionsrekorde bleiben selten und konzentrieren sich zunehmend auf das absolute Spitzensegment, etwa bei begehrten Patek-Philippe-Referenzen.
Besonders interessant sind zwei Entwicklungen: Händlerpreise liefern inzwischen einen realistischeren Einblick in die tatsächliche Nachfrage als unveränderte Herstellerpreise. Gleichzeitig rückt Qualität stärker in den Mittelpunkt, während kurzfristige Hypes an Bedeutung verlieren. Davon profitieren zunehmend solide und etablierte Modelle, die vermeintlichen „Durchschnittsuhren“.
2026 setzt sich die Erholung fort
Die Erholung auf dem Uhrenmarkt im Luxussegment setzt sich weiter fort. Dies zeigt auch der aktuelle
ChronoPulse-Index von Chrono24 stieg im Mai 2026 um 1,5 % und über sechs Monate um 4,7 %. Besonders stark entwickelten sich
Cartier mit +6,6 %, Patek Philippe mit +5,4 % und Rolex mit +4,5 % im Sechsmonatsvergleich.
Breitling erzielte allein im Mai +5,1 %.
Der datenbasierter Markt- und Preisindex bildet die aktuelle Marktentwicklung auf der Basis von realen Transaktions- und Verkaufsdaten ab, wie hier im Fall von Rolex:
Vintage- und Neo-Vintage-Trend verbreitert sich
Neben den klassischen
Vintage-Modellen rückt auch der
Neo-Vintage-Trend zunehmend in den Fokus. Als Neo Vintage gelten Uhren aus der Übergangsphase zwischen den späten 1980er Jahren und den frühen 2000er Jahren. Sie verbinden moderne
Alltagstauglichkeit mit historischen Designelementen und bieten etwa Saphirglas, verbesserte Wasserdichtigkeit, zuverlässige Automatikwerke und robuste Bandanstöße. Gleichzeitig bewahren sie den Charme vergangener Epochen durch schlankere Gehäuse, Aluminium-Lünetten oder charakteristische Leuchtmassen wie frühes Tritium und Luminova.
Markt bleibt stark selektiv
Bekannte und liquide Referenzen finden meist schnell einen Käufer, während weniger gefragte Modelle deutlich länger auf dem Markt bleiben. Die mittlere Verkaufsdauer lag 2025 bei rund 61 Tagen, das mediane Alter noch nicht verkaufter Angebote hingegen bei 199 Tagen. Damit gewinnen
Zustand, Originalität, Provenienz und realistische Preisvorstellungen zunehmend an Bedeutung. Der Markt wird weiterhin von wenigen großen Marken dominiert. Rolex, Patek Philippe und
Audemars Piguet führen das Segment an, wobei allein Rolex rund 36,8 Prozent des weltweiten Umsatzes im Sekundärmarkt auf sich vereint. Entscheidend sind somit echte Liquidität und eine
hohe Wiederverkaufssicherheit.
Fazit: 2025 stand vor allem im Zeichen zunehmender Liquidität und einer spürbaren Marktbereinigung. Im Jahr 2026 zeichnet sich dagegen eine moderate und zugleich breiter abgestützte Erholung ab. Besonders interessant erscheinen dabei kleinere Vintage und Neo Vintage Modelle, ausgewählte Uhren von Cartier sowie klassische Rolex-Referenzen. Auch gut erhaltene Uhren aus dem mittleren Preissegment bieten vielversprechende Perspektiven. Entscheidend bleiben dabei eine hohe Nachfrage, ein überzeugender Zustand und eine nachvollziehbare Historie, denn der Markt belohnt zunehmend Qualität und langfristige Begehrlichkeit statt kurzfristiger Trends.
Quellen: Blickpunkt Juwelier / EveryWatch / Chrono24 / WatchTime.